Themenspezial

Traditionen: Zwischen gestern und heute

Andere Länder, andere Sitten

„Es muss feste Bräuche geben,“ erklärt der Fuchs dem kleinen Prinzen, als dieser sich beim Versuch der Fuchszähmung unbeholfen anstellt. „Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen,“ sagte der Fuchs. „Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so glücklicher werde ich mich fühlen.“ Und als der kleine Prinz fragt: „Was heißt ‚fester Brauch?,“antwortet der Fuchs: „Auch etwas in Vergessenheit Geratenes. […] Es ist das, was einen Tag vom anderen unterscheidet, eine Stunde von den anderen. […] Sonst wären die Tage alle gleich […]. „
                                                       -Antoine de Saint-Exupéry

Traditionen sind wichtig – darauf weist uns schon der Fuchs im Kleinen Prinzen hin. Sie können den Alltag unterbrechen und strukturieren, Vorfreude entstehen lassen und Menschen zusammenbringen. Traditionen sind Kulturgut. Vielen schenken Traditionen und Bräuche auch ein Gefühl von Heimat. Überall in der Welt leben Menschen an Orten, an denen sie nicht aufgewachsen sind. Sie haben ihre Heimat verlassen und egal ob sie freiwillig oder unfreiwillig aus ihrer Heimat weggezogen sind, bleibt diese immer ein Teil von ihnen. Sie wurden von den Traditionen und Bräuchen ihrer Heimat geprägt und werden lebenslänglich von diesen begleitet.

Wir alle haben in unserem Leben verschiedene Traditionen und Bräuche verankert. Viele denken dabei sofort an große Feste: Schützenfest, Jubiläen und Karneval. Aber es gibt auch einige Traditionen, die uns gar nicht so bewusst sind. Es ist Tradition, Kerzen auf den Geburtstagskuchen zu stecken, nämlich genau so viele, wie man alt wird. Schafft das Geburtstagskind es, alle Kerzen auf einmal auszupusten, soll das Glück bringen. Es ist Tradition, dass das Silvesterfeuerwerk Böses vertreiben soll und am 30. April in den Mai getanzt wird, um Geister zu vertreiben. Alle Schulanfänger*innen bekommen eine Schultüte zum Start – für die Vorfreude. Für viele Menschen ist Sonntagabend der Tatort Pflichtprogramm und Tradition

„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme!“
                                                                                                           – Thomas Morus

Das Wort Tradition kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und kann mit Übergeben oder Überliefern übersetzt werden. Man übergibt Gedanken oder Geschichten an andere Menschen und tut etwas, das die Menschen früher schon gemacht haben. Was wir heute Brauch oder Tradition nennen, ist meistens eine festgelegte und gemeinsame Form der Erinnerung, des Festes und der Geselligkeit. Bräuche und Traditionen erzählen uns Geschichten von Gemeinschaften – es wird also eine Gemeinschaft vorausgesetzt. Wenn der einzelne Mensch jeden Morgen nach dem Aufstehen eine bestimmte Reihenfolge beachtet, ist dies kein Brauch und keine Tradition, sondern eine Gewohnheit. Aber Bräuche und Traditionen sind nicht dasselbe. Bei uns nennt man häufig etwas eine Tradition, wenn man es zum ersten Mal wiederholt. Aber nur diese Wiederholung macht noch keinen Brauch aus. Traditionen können Teil eines Brauches sein und dazu beitragen, die alte Geschichte weiter zu erzählen und zu bewahren.

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