Schwerpunkt

Vom Privileg einer sorgenfreien Jugend

Worauf noch warten? — Zeit zu handeln!

„Nice, das Wetter ist richtig gut heute. Ab ins Freibad?“ – Hand aufs Herz, wie oft war genau das dein Gedanke im Sommer? Und wie viele Sommertage hast du mit deinen Freund*innen im Freibad verbracht?


Was aber, wenn der Schwimmbad-Eintritt nicht ins Budget passt? Wenn vermeintliche Selbstverständlichkeiten, wie das Geld für ein Pausenbrot oder für Schulbücher, nicht da sind?

Viele Kinder und Jugendliche müssen genau dieser Tatsache ins Auge sehen: Teilhabe an Dingen, die man in der Jugend so macht, ist nur begrenzt drin. Stattdessen steht der Nebenjob im Getränkemarkt oder beim Veedels-Kiosk auf dem Programm, um für die Familie zu sorgen oder sich nächste Woche eben doch mal den Eintritt fürs Freibad gönnen zu können.

Es ist ein Privileg, auf eine sorgenfreie Jugend blicken zu dürfen. Etwas, wofür ich nicht selbst arbeiten musste. Selbstverständlich haben alle Jugendlichen Sorgen, und die haben auch ihre Daseinsberechtigung – aber nicht alle haben Angst davor, nicht über die Runden zu kommen. Diese Ungleichheit kann nicht wegdiskutiert werden. Sie muss wahrgenommen, kritisiert und angepackt werden!

Das ist auch unsere Aufgabe, die Aufgabe der KjG. Viele KjGler*innen kennen die besondere Dynamik, die eine Freizeit oder ein Lager mit sich bringt: Der Alltag ist für ein paar Tage vergessen. Die KjG ist ein Ort, der jedem*r Jugendlichen ein Stück Sorgen­freiheit geben kann. Ich finde, wir sollten uns gemeinsam auf den Weg machen, diese Erfahrung allen Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen.

Jugend auf dem Wartegleis
Seit Beginn der Pandemie beschäftigt viele Jugendliche mehr als je zuvor, wie mit ihnen von Seiten der Politik umgegangen wird. Dass ihre Belange als großer Teil der Gesellschaft keinen Raum finden, dass sie als Expert*innen für ihre Lebensrealität nicht angehört und einbezogen werden. Dass Erwachsene reihenweise ohne Konsequenzen gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen, indem sie gemeinsam mit Fremden im Park Basketball spielen und gleichzeitig Gruppenstunden, Vereinssport oder Musikunterricht trotz Kontaktverfolgung nicht stattfinden dürfen. Zu Recht haben mich Jugendliche im Jugendzentrum gefragt: „Wo bleiben wir?“

Das spiegelt sich aber nicht nur in Freizeit wider, sondern auch in schulischer Bildung: Viele Jugendliche waren vor dem Beginn der Pandemie ohnehin abgehangen, und haben nun den Anschluss gänzlich verloren. Pädagog*innen und Lehrer*innen versuchen, diese Lücken zu schließen und allen Schüler*innen eine Perspektive zu bieten. Was bleibt, ist dennoch die Frage, ob das ausreicht – oder ob Schule, Zugänge zu Bildung und auch Chancengleichheit in diesem Kontext nicht völlig neu gedacht werden müssen.

Die Jugend wird immer politischer.
Das sehen wir bei den Aktivist*innen von Fridays for Future, jungen Schüler­ver­treter*innen oder auch bei der KjG. Es wird Zeit, dass junge Menschen als Expert*innen für ihre Lebenslagen angehört und mit einbezogen werden. Es wird Zeit, dass die Lobby für Kinder und Jugendliche einen höheren Stellenwert bekommt. Es wird Zeit, dass Kinder und Jugendliche endlich als das gesehen und behandelt werden, was sie sind: Ein gleichberechtigter und wichtiger Teil der Gesellschaft.

— Ina Neumann

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