SchwerpunktVorgestellt

Über das Opfer­fest.

»Für mich ist es einfach eine schöne Kindheitserinnerung!«

Im Gespräch mit Denise und Mohamed über das Opfer­fest, Traditionen und den Duft von marokkanischer Minze.


Meine Freund*innen Denise und Mohamed sind beide muslimischen Glaubens. Er schon sein Leben lang, sie ist vor ein paar Jahren konvertiert. In diesem Jahr haben die beiden geheiratet. Für die transparent teilen sie ihre Traditionen, Erinne­rungen und Eindrücke an das höchste muslimische Fest, Eid al-Adha, mit uns.

Könnt Ihr kurz beschreiben, welches das höchste islamische Fest ist und was dort gefeiert wird? Wann findet es statt – ist das Fest jedes Jahr gleich datiert?
Das höchste islamische Fest ist das Opferfest, Eid al-Adha. Es wird zum Höhepunkt der haddsch gefeiert, das ist die Pilgerfahrt nach Mekka, die eine der Säulen des Islams bildet. Dort wird traditionell ein Tier geschlachtet (natürlich unter Aufsicht!) und so an das Vertrauen Abrahams in Gott gedacht, der ihn testete und von ihm verlangte seinen Sohn zu opfern,
ihn am Ende aber rettete.

Das Datum orientiert sich an dem islamischen Kalender – dieser richtet sich nach dem Mond und daher ist das Opferfest jedes Jahr anders datiert. Im islamischen Kalender ist es immer der 10. des Monats Dhu l-Hiddscha und dauert drei Tage. Auch alle anderen wichtigen Feste wie zum Beispiel das des Fasten­brechens (Eid al-Fitr) und der Fastenmonat richten sich nach dem islamischen Kalender und verschieben sich dadurch jedes Jahr ein wenig.

Wie verbringt Ihr diese Zeit? Wie bereitet Ihr euch auf das Fest vor, vielleicht im Freundeskreis und mit der Familie?
Wir fasten vor diesem Fest, um uns mental und körperlich zu stärken. Außerdem wird viel gebacken und gekocht, damit Leckereien für den Festtag fertig sind.

Was ist Eure schönste Erinnerung an das Fest?
Mohamed: Für mich ist es einfach eine schöne Kindheitserinnerung, wie dieser Tag immer abgelaufen ist. Vor allem habe ich mich immer gefreut, wenn ich morgens mit meinem Vater unterwegs war und zu allem mitkommen durfte, weil ich der Jüngste bin und wir danach noch einen Kakao getrunken haben.

Denise: Für mich ist die schönste Erinnerung, als ich das erste Mal dieses Fest in einem so großen familiären Kreis mit meinem Mann und seiner Familie feiern durfte. Als Konvertitin war ich zuvor oft an den Festtagen allein oder bin mit Freundinnen essen gegangen, um es zu feiern, da meine Familie diese Feste nicht feiert. Deshalb ist es für mich etwas ganz Besonderes gewesen, das Fest das erste Mal auf diese Weise verbringen zu können.

Was verbindet Ihr mit dem Fest?
Frische marokkanischer Minze ist da der erste Geschmack und Geruch, der uns einfällt – auch der Geruch von frischgebackenen Keksen. Die Kekse werden oft mit Orangenblütenwasser, Rosenwasser und Nüssen zubereitet, das sind die Geschmäcker, die das Ganze ausmachen! Der Kaffee wird meistens auch ein wenig gewürzt – mit Pfeffer Zucker und manchmal auch Zimt. Und Datteln – Datteln gibt es in so vielen verschiedenen Formen, oft auch mit Mandeln gefüllt.

Was ist bei Euch in der Familie Tradition zu diesem Anlass? Was gibt es vielleicht für andere Traditionen und wie unterscheiden sie sich von Euren?
Den Tag verbringen wir meist mit der Familie. Morgens zieht man dann besonders schöne Anziehsachen an und wir beten zusammen mit vielen anderen in der Moschee und beglückwünschen uns untereinander.

Danach verbringen wir dann den Tag zusammen mit der Familie. Da ist es ganz unterschiedlich, ob man zusammen frühstückt, Mittag isst oder sich zum Kaffee und Abendessen trifft. Die Kinder bekommen auch kleine Geschenke, oft Süßigkeiten und Geld oder andere Kleinigkeiten und man macht sich eine schöne gemeinsame Zeit.

— Das Interview führte Ina Neumann

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