SchwerpunktVorgestellt

O du Fröhliche?

Wenn Weihnachten zur Belastung wird

Spekulatius und Lebkuchen in allen Regalen, Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, Adventskalender im Haus und aus den Lautsprechern ertönt Last Christmas – die schönste Zeit des Jahres beginnt! Bei heimeligem Kerzenschein und perfekt aufeinander abgestimmter Deko sitzen glückliche Familien beisammen um den Weihnachtsbaum – so zumindest stellen sich die meisten Menschen Weihnachten vor. Die Realität sieht für viele ganz anders aus.

Weihnachten kann sich aus verschiedenen Gründen für Menschen zur Belastung entwickeln. Sei es, weil ein geliebter Mitmensch gestorben ist, weil man sich in der eigenen Familie nicht sicher fühlt/nicht sicher ist. Oder weil man sich mit der Familie nicht gut versteht, vielleicht gar keine Familie (mehr) hat oder ungewollt einsam ist. Auch für Menschen, die den größten oder alleinigen Teil der Care-Arbeit leisten, die finanzielle Probleme oder gar kein Zuhause haben, kann die Weihnachtszeit eine große Belastung darstellen.

»Wir schenken uns doch nichts!«

Weihnachten – das Fest der Liebe und Besinnung. Es sagt sich immer so einfach, an Weihnachten zu entschleunigen und den Druck rauszunehmen, dass nicht alles selbst gemacht sein muss, es auch ohne Geschenke geht und das Essen und Deko nicht perfekt sein müssen.

Was aber soll man tun, wenn das größte Problem nicht die Umstände, sondern die Menschen sind, mit denen man feiert?

Zuallererst gilt: Deine eigene Sicherheit geht immer vor! Gibt es in der Familie zum Beispiel Probleme mit Gewalt – besonders wenn alle Mitglieder lange und intensiv beieinander sind – dann können folgende Gedanken neue Perspektiven geben: Versuche Dich frei von dem zu machen, was andere denken! Nur, weil die Gesellschaft, Social Media und die Werbung das Bild von Familienglück unter dem Weihnachtsbaum propagieren, muss das nicht Dein Weg sein, wenn Du Dich damit nicht wohlfühlst. Du bist niemandem verpflichtet – nur Dir selbst! Es kann auch schön sein, Weihnachten alleine zu zelebrieren. Mit dem Essen, das Du magst, einem Film oder auch nichts vom dem. Feiere einfach Dich! Oder gemeinsam mit Freund*innen? Vielleicht sind andere in einer ähnlichen Situation, haben keine Familie oder möchten mit ihr nicht die Feiertage verbringe? Gestaltet das Fest gemeinsam! Wenn Weihnachten mit der Familie eigentlich ok ist und im Laufe des Abends anstrengend wird: Einfach mal spazieren gehen und frische Luft schnappen!

Ist die Familie oder einzelne Mitglieder als queerfeindlich bekannt, gilt vor allem für queere Menschen, die noch nicht geoutet sind und negative Reaktionen erwarten: Niemandem ist jemandem ein Outing schuldig! Wenn man sich outen will, ist ein besser gewählter Zeitpunkt vermutlich einer, zu dem man sich jederzeit zurückziehen/bei Freund*innen schlafen/in die eigene Wohnung zurückkehren kann und nicht das Gefühl hat, noch mehrere Tage beieinander sein zu müssen/vielleicht wegen Weihnachten keinen alternativen Schlafplatz zu haben.

Wenn Du als Leser*in zu den Menschen gehörst, die ein sehr glückliches, friedvolles Weihnachtsfest erleben – vielleicht ist dies ein Impuls, sich mal im Umfeld und Bekannt*innenkreis umzusehen, ob es Menschen gibt, die Weihnachten eher einsam sind und/oder große Probleme mit ihrer Familie haben und sich über eine gemeinsame Feier, Unterstützung oder ein offenes Ohr sehr freuen würden!


Für Menschen, die Gewalt erfahren, gibt es auch an Weihnachten Beratungsangebote und Hilfe, die genutzt werden können:

Weißer Ring
Web: weisser-ring.de/haeuslichegewalt
Tel: 116 006

Hilfe für Gewalt an Frauen
Web: hilfetelefon.de
Tel: 08000 116 016

Hilfe für Gewalt an Männern
Tel: 0800 1239900
eMail: beratung@maennerhilfetelefon.de

Für allgemeine Sorgen und akute Pro­bleme gibt es natürlich noch die Telefonseelsorge, die unter 0800 111 0 222 zu erreichen ist.

In Notfällen ist immer die Polizei zuständig.


— Judith Oehl

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