Schwerpunkt

Nachgebohrt

Er ist Bundesabgeordneter und seit 2017 Generalsekretär der SPD. Sein Herz schlägt für Fußball und Musik. Als ehemaliger Gitarrist und Sänger einer Band stehen selbst in seinem Büro einige Gitarren, auf denen er hin und wieder zum Abschalten und Nachdenken spielt. Im Interview spreche ich mit Lars Klingbeil über Privilegien in unserer Gesellschaft.

Check your privilege: Was sind für Sie Privilegien?
Ganz formal sind Privilegien Rechte oder Vorteile, die nur wenigen Menschen zugänglich sind. Ich lebe in einem friedlichen Land, konnte aufdie Schule und zur Uni gehen. Ich habe einen Job, der mich erfüllt und habe ein sicheres, gutes Einkommen. Ich lebe ohne Angst. Auch weil ich einweißer Mann bin. Das geht nicht allen Menschen so. Das ist mir sehr bewusst. Als Politiker habe ich das Privileg, dass ich mehr gehört werde als die meisten. Das will ich zum Beispiel nutzen, um Privilegien für die einen und damit Nachteile für die anderen abzubauen.

Passen Privilegien in eine Demokratie?
Wenn jemand ohne sein eigenes Zutun, nur auf Grund der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe Vorteile hat, finde ich das problematisch. Und es birgt sozialen Sprengstoff, denn wir wollen ja alle in einer Gesellschaft leben, die solidarisch ist, respektvoll miteinander umgeht und zusammenhält. Es muss in unserer Demokratie immer das Ziel sein, dass alle die gleichen Rechten und Pflichten haben, unabhängig von Aussehen, Herkunft oder Geschlecht. Daran müssen wir als demokratische Gesellschaft stets gemeinsam arbeiten.

Soziale Gerechtigkeit und Privilegien: Sollten Privilegierte auf ihren Sonderstatus verzichten, oder Nichtprivilegierte „empowered“ werden?
Wem an unserem gesellschaft­lichen Zusammenhalt gelegen ist, der muss auch ein Interesse daran haben, Benachteiligungen abzubauen. Das ist auch mein Anspruch an mich selbst. Ich will zum Beispiel, dass die Politik weiblicher wird, deshalb erteile ich nur männlich besetzen Panels immer eine Absage und schlage den Veranstaltern kompetente weibliche Gesprächspartner vor. Das gilt aber auch in der Bildung, im Gesundheitssystem, im Arbeitsmarkt und an vielen anderen Stellen. Ich finde, für eine Gesellschaft des Respekts müssen zum Beispiel auch starke Schultern mehr stemmen als bisher. Superreichen tut es nicht weh, etwas mehr Steuern zu zahlen. Mit diesem Geld können Nichtprivilegierte empowered werden und das kommt dann der Gesellschaft insgesamt zu Gute.

— Die Fragen stellte Sophie Duczek

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