Schwerpunkt

Heute, morgen, übermorgen.

Die Jugendliebe ist für viele Menschen etwas ganz Besonderes, auch wenn wenige wirklich für immer zusammenbleiben. Kennt Ihr in Eurem Umkreis Paare, die seit ihrer Jugend zusammen sind? Oder ist Eure Jugendliebe immer noch an Eurer Seite? Ich selbst hatte keine Jugendliebe im eigentlichen Sinne und bin auch nicht die Jugendliebe meiner jetzigen Beziehungsperson, aber ich habe mit zwei Paaren gesprochen, bei denen das etwas anders war und die mit ihrer Jugendliebe zusammengeblieben sind.

Rainer und Birgit, kennengelernt da war sie 19 und er 24, Eltern von drei Kindern.

Marita und Thomas, kennengelernt mit 14, zusammengekommen mit 20 und 19. Eltern von zwei Kindern, Fabian und Miriam, die mit 19 an einem unverschuldeten Unfall starb.

 

Wo und wann habt Ihr Euch kennengelernt und wie lange seid Ihr jetzt verheiratet/zusammen?

Birgit & Rainer: Wir haben uns 1986 in einer Tanzschule kennengelernt und sind seit 1989 verheiratet. Das sind jetzt 31 Jahre!

Marita & Thomas: Wir kennen uns seit 1973, sind auf die gleiche Schule gegangen, aber zunächst nicht in die gleiche Klasse. Zuerst bewusst wahrgenommen haben wir uns in Leverkusen im Freibad: Ich war mit einer Freundin dort, die Jungs haben uns „untergetaucht“, was wohl eine robuste Art der Anmache war, und als ich aufgetaucht bin, da habe ich ihn gesehen und seine blauen Augen und seine Sommersprossen … 14 waren wir da erst, haben uns in dem Sommer nochmal im Schwimmbad getroffen – alleine – über Musik und Fernsehen erzählt und uns dann aus den Augen verloren…in der gleichen Schule. Es war aber immer so ein merkwürdiges „Prickeln“ zwischen uns, einfach nicht neutral, nicht so wie bei anderen. Bis 1977 gab es dann ein paar Treffen, immer in großen Abständen und immer so, dass ständig offenblieb, „was das denn nun sein sollte“ – und es gab auch Versuche, andere kennenzulernen. Dann sind wir 1978 auf Abi-Fahrt gefahren, 3 Wochen Israel, haben viel Zeit miteinander verbracht, ohne dass viel passiert wäre, aber ständig mit dem Gefühl, da ist „irgendwas“… Auch danach haben wir uns wieder aus den Augen verloren und nach dem Abi habe ich ihm dann im November eine Karte zum 20. Geburtstag geschrieben, am anderen Tag stand er bei mir vor der Tür – und seitdem ist er geblieben… Das heißt, wir kennen uns 47 Jahre, sind über 41 Jahre zusammen, davon jetzt 33 Jahre verheiratet, seit 1987.

War es die erste Liebe für Euch und glaubt Ihr, dass es Vorteile/Nachteile hat, dass Ihr Eure Jugendliebe seid?

Birgit & Rainer: Nein, es war für beide nicht die erste große Liebe. Wir sind beide der Meinung, dass der Spruch „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was Bessres findet“ schon seinen Sinn hat.

Marita & Thomas: Die erste Liebe? Ja, doch, aber in der Jugend hat man sich schon immer mal weiter umgeguckt – aber dann lief doch wieder alles auf uns beide zurück …Ob es Vorteile hat oder Nachteile? Dazu muss ich ausholen: Mein Vater hat meine Mutter (und meinen Bruder und mich) für seine Sekretärin verlassen, als ich 14 war, auch 1973. Thomas Vater ist gestorben als er 12 war, mit 43 Jahre, ganz plötzlich. Wir kommen also beide aus Familien, die schon ein Trauma hinter sich hatten, wodurch wir beide wahrscheinlich eher die Kontinuität im Leben schätzen gelernt haben.

Abwechslung und Wechsel hatte ich in meiner Jugend genug durch die wechselnden Beziehungsversuche meiner Mutter und auch meines Vaters. Später bin ich immer froh gewesen, dass meinen Kindern „so etwas“ nicht erleben mussten. („Schlimmer geht immer“ hatten wir nicht auf der Rechnung) Von daher hatte ich nie das Gefühl, viel zu verpassen. Es war gut, wie es war – wir hatten eher die Ruhe gesucht.

Gibt es eine besonders schöne, lustige und/oder traurige Anekdote(n), die Ihr mit Eurer Beziehung verbindet?

Birgit & Rainer: Bei der ersten Begegnung in der Tanzschule, bei der sie mit ihrem Bruder tanzte, traute er sich nicht, sie anzusprechen, weil er dachte sie wäre schon vergeben. Zum Glück saß an seinem Tisch ein Freund, der wusste, dass es Ihr Bruder war. Da fiel ihm ein Stein vom Herzen und er nahm allen Mut zusammen und sprach sie an. Wir beide lachen heute noch oft über diese Anekdote.

Marita & Thomas: Fabian und Miriam. Sie sind und waren die Kinder, die wir uns gewünscht haben. In allem. Das traurigste Geschehen ist der Tod von Miriam, natürlich – und das beste sind die Erfolge, die Fabian erreicht – trotz ihres Todes, und dass wir ihn haben.

Was verbindet Euch außer die lange,  gemeinsam verbrachte Zeit?

Birgit & Rainer: Das, was wir zusammen aufgebaut und geschafft haben. Unser gemütliches Heim, unsere drei Kinder, die Höhen und Tiefen, die wir bis jetzt zusammen gemeistert haben. Die gemeinsamen Interessen und Hobbys, z. B. Tanzen, Gartenarbeit, Handwerken, Karnevalsauftritte, usw. Wir sind ein super Team!

Marita & Thomas: All das, was wir erreicht – und verloren – haben in dieser gemeinsam verbrachten Zeit, verbindet uns, hat uns näher zusammengebracht. Und wohl auch die Tatsache, dass die von Beginn an bestehende Anziehung zwischen uns – warum auch immer – noch bis heute besteht.

Was ist Euer Geheimnis einer lang andauernden Beziehung?

Birgit & Rainer: Einander Respektieren, dem anderen Freiräume lassen, Entscheidungen zusammentreffen, auch mal Zoff aushalten, sich nicht beim ersten Streit trennen, kompromissbereit sein, immer wieder neu kennenlernen, an der Beziehung arbeiten, sich aufeinander verlassen können, dem anderen vertrauen, gleiche Ziele haben.

Marita & Thomas: Das habe ich mich auch schon oft gefragt 😉 Eine bestimmte Grundübereinstimmung bzgl. Herkunft, Hintergrund, vergleichbare Werte, Interessen, Erinnerungen…Vielleicht auch die Erkenntnis, dass man genau mit dem zusammen ist, den man geheiratet hat, heißt: Man kann sich nicht gegenseitig umerziehen, bestimmte Dinge muss man akzeptieren, man sollte sich nicht über „Kleinkram“ aufregen – sich aber trotzdem deutlich die Meinung sagen … Man kann den anderen nicht verbiegen; es passt – oder nicht.
Vieles ist aber auch Glückssache – wenn zum Beispiel zufällig niemand anderes des Weges kommt, der dazwischengerät und das ganze Gefüge zusammenbrechen lässt.
Aber auch so etwas kann man nicht planen – wie so vieles im Leben.

— Judith Oehl

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